Die Fantastikinder schreiben einen neuen deutsch-französischen Song zum Thema Klimawandel und Erderwärmung als Beitrag zum Songwettbewerb „Ecole du Flow“.

Am Nachmittag sitzt das neue Lied schon fast perfekt: „Kein Plan B – pas de planète B“ skandieren 21 Schülerinnen und Schüler der sechsten Klasse. Und dabei haben sie das Musikstück an diesem Tag erst erarbeitet, natürlich unter fachkundiger Anleitung: Monsieur Nô, Gründer und Gesamtleiter der französischen Kinderchöre „Les Enfantastiques“ und ihres deutschen Ablegers „Fantastikinder“, ist eigens dafür angereist. Auch Bernadette Gall, Lehrerin einer Classe de 6e des Collège du Kochersberg in Truchtersheim, der französischen Partnerschule des Stromberg-Gymnasiums, ist in Vaihingen. Ihre Klasse hat im Vorfeld bereits Ideen gesammelt und auf einer digitalen Pinnwand festgehalten. Die Vaihinger Kinder haben also schon etwas, worauf sie aufbauen können.
„Il est temps d’agir. Die Zukunft, das sind wir“, schallt es durch den Musikraum. Auch nach sechs Stunden Workshop mit Monsieur Nô ist die Begeisterung der Sechstklässlerinnen und Sechstklässler ungebrochen. Begonnen hat der Tag für sie, indem sie in ihren Klassen verschiedene Lieder aus dem Repertoire der Fantastikinder gemeinsam gesungen haben. Anschließend arbeiteten die 21 Kinder, die sich gezielt für das diesjährige Fantastikinder-Projekt angemeldet hatten, an dem neuen Lied weiter.
Und das mit sehr hörenswerten Ergebnissen: Abteilungsleiterin Carmen Förnzler, selbst Musik- und Französischlehrerin, ist beeindruckt vom Ideenreichtum und vom Engagement der jüngsten Generation der Fantastikinder am Stromberg-Gymnasium. Seit Jahren begleitet sie Schülerinnen und Schüler der Unterstufe bei den deutsch-französischen Begegnungsprojekten, mit stets neuen Schwerpunkten. Mit dem aktuellen Song haben die Vaihinger gemeinsam mit ihren Partnerinnen und Partnern aus Truchtersheim Großes vor: Das fertige Produkt soll als Videobeitrag zum deutsch-französischen Songwettbewerb Ecole du Flow der Hiphop-Gruppe „Zweierpasch“ eingereicht werden. Der Wettbewerb, an dem sich jährlich 1000 bis 2000 Kinder und Jugendliche aus Deutschland und Frankreich beteiligen, besteht seit 2018. Das Thema in diesem Jahr: „Tsunami“.

„Ich finde es schön, mir Texte auszudenken und etwas zu komponieren“, erklärt eine Teilnehmerin. Und wenn man dabei noch nebenbei sein Französisch verbessern könne: Umso besser! Aber wie kann Komponieren und Texten mit über 20 kreativen Köpfen überhaupt funktionieren? Für den erfahrenen Musiker Monsieur Nô fügen sich die Ideen der Kinder letztlich „wie ein Puzzle“ zu einem Song zusammen. Ein Sechstklässler sieht es pragmatisch: „Wir wählen aus vielen Ideen gemeinsam die beste aus.“
Eine andere Teilnehmerin am Workshop hebt den sozialen Aspekt des Projekts hervor und freut sich, „neue Freundschaften zu schließen“. Gelegenheit dazu wird es Mitte März geben, denn: Dann wird das neue Lied gemeinsam mit den Mädchen und Jungen des Collège du Truchtersheim geprobt und aufgenommen, damit die Produktion pünktlich zum Einsendeschluss des Wettbewerbs Ecole du Flow Ende März fertig ist. Zu Proben sowie Ton- und Bild-Aufnahmen reist die Vaihinger Gruppe für zwei Tage nach Truchtersheim und Straßburg. Dort werden die Mädchen und Jungen auch die Möglichkeit haben, für einen Abend und eine Übernachtung in das französische Familienleben ihrer Gastfamilien einzutauchen. Zugute kommen ihnen dabei die Mittel des Förderprogramms der Europäischen Union Erasmus+, die sich das Stromberg-Gymnasium im vergangenen Jahr in einem aufwändigen Auswahlverfahren gesichert hat.
Auch ein Auftritt vor großem Publikum ist für die Fantastikinder schon terminiert: Auf Einladung des Kultusministeriums tritt der rund 50-köpfige, deutsch-französische Kinderchor am 23. Mai bei den Feierlichkeiten zum Europaaktionstag in Stuttgart auf. Bis dahin wissen die Kinder auch, wie ihr Song bei den Juroren des Wettbewerbs Ecole du Flow angekommen ist: Das Finale, in das die besten sechs Beiträge einziehen, findet nur wenige Tage vorher, am 6. Mai, in Nancy statt.
Der Mann, der als Chansonnier für Kinder unter dem Künstlernamen Monsieur Nô firmiert, hat immer noch Freude an der Arbeit mit jungen Menschen – auch nach mehreren Generationen „Les Enfantastiques“ und ihren Pendants in anderen Ländern und Sprachen, wie eben den deutschen Fantastikindern, den englischsprachigen Fantastikids sowie den spanischen Fantaschicos. Und auch nach zahllosen Auftritten in aller Welt und insgesamt 18 CD-Veröffentlichungen. „Kinder haben gute Ideen, wie eine bessere Welt aussehen könnte. Wie sie mit frischem Kopf an das Thema herangehen, ist gut für die Art von Liedern, die ich mache“, erklärt Monsieur Nô. Er freut sich, am Ende des Workshops mit den Schülerinnen und Schülern noch einmal gemeinsam die bereits bekannten Songs der Fantastikinder anzustimmen, wie zum Beispiel „Wachsam sein – Sentinelles“ oder „Es lebe l’amitié – vive la Freundschaft“.
Bis die Vaihinger Kinder Mitte März zu Gast in Frankreich sind, wartet noch eine Menge Arbeit auf den Chansonnier: Es gilt, eine Playback-Version des neuen Liedes zu erstellen und mit den Gesangsaufnahmen der Schülerinnen und Schüler des Stromberg-Gymnasiums und des Collège du Kochersberg professionell abzumischen. Der Zeitplan ist straff. Aber bei der Begeisterung, mit der alle Beteiligten bei der Sache sind, wird schon alles rechtzeitig fertig werden. Einen Plan B brauchen die Fantastikinder hierfür nicht.
Bericht: Sy, Fotos: Fö/Sy







